Deutscher Name: Haselnuss, Haselstrauch, Gemeine Hasel
Botanisch: Corylus avellana
Familie: Birkengewächse
Unterfamilie: Haselgewächse
Haselnusssträucher können bis zu 100 Jahre alt werden
und werden seit Urzeiten vom Menschen genutzt
Die viel zu selten in unseren Gärten gepflanzten Haselsträucher werden intensiv von verschiedensten Tiergruppen genutzt und fördern daher die Vielfalt auf eine ideale Art und Weise
Höhe: ca. 5 (bis 7) m, allerdings sehr gut schnittverträglich
Wuchs: vom Grunde an ausgeprägt mehrstämmig, die Stämme sind dabei oft straff aufrecht und oben an den Spitzen bodig überhängend. Bei beengten Platzverhältnissen kann die Hasel trotz ihrer hohen Gestalt durch gelegentlichen Schnitt der bodennahen Ausläufer und alter, stärkerer Äste gut in einer kompakten Form gehalten werden. Die Haselnuss ist schnellwüchsig und konkurrenzstark.
Wurzel: flach und weitreichendes Horizontalwurzelsystem mit besonders hohem Feinwurzelanteil. Es werden Vertikalwurzeln und gelegentlich Ausläufer gebildet, die man auch abtrennen und gut zur Vermehrung nutzen kann.
Blatt: sehr charakteristische, bis 15 cm große, rundliche, weichhaarige Blätter, die wechselständig angeordnet sind Herbstfarbe: gelblich bis gelborange
Blütezeit: Februar – April, in milden Wintern schon im Jänner oder sogar Dezember
Blüten: Als typische windbestäubende Art ist die Hasel auf keine bestäubenden Insekten angewiesen!
Die Blüten sind getrenntgeschlechtlich, es gibt also männlich und weibliche Blüten, aber beide befinden sich auf ein und demselben Strauch
Die männliche Blüten sitzen in auffälligen, gelben Kätzchen am Ende der vorjährigen Zweige, sehr zeitig, die erste Blüte im Jahr. Diese Blütenkätzchen werden bereits im Spätsommer angelegt und sind im Winter so gut wie fertig entwickelt, sodass sie bereits mit den ersten warmen Vorfrühlingstagen öffnen können.
Auf die freigesetzten Haselpollen reagieren manche Personen allergisch.
Die unscheinbaren weiblichen Blüten sind bis auf die roten fadenartigen Narben in Knospen verpackt.
Interessant ist, dass die Bestäubung schon sehr bald während der Blüte stattfindet aber die eigentliche Befruchtung erst Wochen oder sogar Monate später, meist erst imJuni, abgeschlossen ist.
Hinweis zur Befruchtung: Einzeln stehende Haselnüsse und auch die meisten Sorten sind oft schlecht selbstfruchtbar. Es sollte also für eine bessere Bestäubung und einen guten Fruchtertrag mindestens eine zweite Haselnuss gesetzt werden. Idealerweise eine andere Sorte oder auch die Wildform können zu einer Sorte ergänzt werden.
Frucht: Haselnuss, Fruchtreife ab September. Die Früchte (meist 1 – 4 Stück zusammen) werden noch in den typischen grünen Becherhüllen geerntet oder auch vom Boden aufgelesen und von den Hüllen befreit in flachen Steigen in der Sonne getrocknet. Dabei sollten die Haselnüsse nur einlagig aufgelegt werden, damit sie gut trocknen. Bei guter Trocknung sind Haselnüsse 3 – 4 Jahre lagerfähig.
Die Nüsse selber haben 1,5 – 2,5 cm Durchmesser und trocken eine sehr harte Schale.Der eßbare Kern im inneren der harten Schale ist rundlich und von einer dünnen, braunen Haut überzogen. Die Nüsse sind fest, sehr aromatisch und wohlschmeckend.
Eigenschaften: extrem frosthart und robust. Allerdings haben Haselnüsse doch gewisse Ansprüche sowohl an Boden als auch an den Standort. Für einen guten Fruchtertrag sind windgeschützte, helle Lagen mit nicht zu frühem Austrieb ideal.
Boden: gute, lockere nährstoffreiche und tiefgründige Böden werden bevorzugt, insgesamt aber sehr tolerant. Prinzipiell werden alle Bodenarten außer nährstoffarme Sandböden toleriert. Optimal sind Böden mit einem ausgeglichenem Wasserhaushalt, die also weder zum Austrocknen noch zur Staunässe neigen. Die Wurzel ist empfindlich gegen Verdichtung. In der Nähe größerer Gewässer oder von Bächen fühlen sie sich sehr wohl. Auf sehr trockenen Standorten hingegen gibt es kaum Zuwachs oder Fruchtansatz.
Lebensraum, Standort: sonnig – halbschattig , in lichten Laub- und Mischwäldern, dort oft bestandsbildend im Unterwuchs, in Gebüschen und Hecken aber auch frei im Offenland Vorkommen: Große Teile Europas, von den Niederungen bis in Höhenlagen über 1500 Meter Seehöhe aufsteigend. Weiter bis Westasien und zum Kaukasus
als markantes Gehölz bei genügend Platz als wuchtiger Strauch in Abpflanzungen oder gemischten Wildsträucherhecken. Auch als Einzelstrauch finde ich eine Hasel durchaus reizvoll. Vor allem in großen Gärten oder Parkanlagen entwickeln Haseln im Alter malerische, bogig überhängende, weit ausladende Formen.
Die Haselnuss ist eine enorm wichtig für die heimische Tierwelt. Als Nahrungsquelle und Lebensraum gleichermaßen.
Nicht nur die Nüsse sind hochbegehrt. Auch das Laub, das Holz, der Saft und der Pollen werden intensiv von verschiedenen Tiergruppen genutzt.
Im Winter sind die energiereichen Nüsse für viele Tierarten oft überlebenswichtig
33 Säugetierarten fressen die Nüsse. Darunter unsere Eichkätzchen, Rötelmäuse, Waldmäuse, Siebenschläfer und Haselmäuse die eng an Haselnüsse gebunden sind.
10 Vogelarten wie der Eichelhäher, Spechte, Tannenhäher und der Kleiber fressen die Nüsse . Werden die Nüsse geöffnet oder zerbrochen angeboten, werden diese für viele weiteren Arten wie Meisen oder Rotkehlchen interessant. Natürlich eignen sich Haselnusssträucher auch vorzüglich zum Brüten
Schmetterlinge und die Haselnuss? Und wie! Die Haselnuss ist eine wichtige Raupenfutterpflanze. Bei unseren heimischen Schmetterlingsarten ist die Hasel zur Eiablage sehr beliebt. Bisher konnten etwa 65 Schmetterlingsarten bei der Eiablage an Haselnusssträuchern beobachtet werden. Hier nur einige Beispiele: Das Wiener Nachtpfauenauge, Birkenspinner, Schlehenspanner, C-Falter, Blaukopf, Stachelbeerfalter, Gelbspanner, Mondfleckspanner, Mondvogel, Erlen- und Ahornrindeneule und viele weitere Eulen, Haseleule u.v.m.
Es gibt eine Unzahl verschiedener Insektenarten, die sich unter anderem von den Blättern, Früchten, Pollen oder dem Saft der Gemeinen Hasel ernähren. Dazu gehören auch einige Arten die monophag, also ausschließlich von dieser Pflanze leben.
Haselnussbohrer
Zikaden wie die Haselmaskenzikade, die Ochsenlaubzikade, die Dornenlaubzikade. Etliche auch spezialisierte Läuse wie die Haselnussblattlaus. Blattläuse sind wiederum ihrerseits eine ganz wichtige Nahrungsquelle zur Fütterung der Jungvögel durch ihre Altvögel.
Einige Worte zum mäßig beliebten Haselnussbohrer.
Haselnussbohrer sind mehr oder weniger überall vertreten, wo es auch Haselnüsse gibt. Sie fressen aber auch an anderen Pflanzen.
Die am Boden liegenden Haselnüsse mit dem kleinen, kreisrunden Löchlein verraten sein Vorkommen und sind eine typische Begleiterscheinung von Haseln.
Ein richtiges Problem wird der Befall eigentlich nur in gewerblichen, großen Anlagen. Dort kann es durch die große Menge zu stärkerem Auftreten kommen.
Eine gute Vogelpopulation ist übrigens ein gutes Mittel, um den Bestand dieses Käfers zu kontrollieren bzw. in Zaum zu halten. Auch Hühner können hier gute Dienst leisten, da sie die Bodenstreu ständig nach fressbarem, tierischem Leben untersuchen und so Larven und Käfer aufstöbern.
Pilze: Auf toten, abgestorbenen Ästen und Stämmen der Hasel lebt der Hasel-Kleiebecherling und der Haselporling
Die Nüsse sind nahrhaft, kalorienreich und sehr schmackhaft. Sie liefern ein ganzes Arsenal gesunder Inhaltsstoffe. Eiweiße, essentielle Fettsäuren, Vitamin C, B1, B2, Mineralstoffe und Spurenelemente wie Kalium, Phosphor und Magnesium.
Die Nüsse können im Herbst am roh und geschält sofort genossen oder geröstet und anschließend Salaten oder dem Brotteig beigemischt werden.
Aus den Nüssen wird ein wertvolles Speiseöl gewonnen. Dieses Öl dient auch als Ausgangsbasis für Nougat, Nussbutter oder Schokoladen.
Junge, unreife Nüsse kann man auch kapernartig einlegen. Eine rare Delikatesse.
Die Blätter und Blüten haben einen etwas bitteren Grundgeschmack und können vielfältig in der Küche verwendet werden.
Die noch jungen Blätter (von März – April) können zu Kochgemüse, Gemüsechips und Bratgemüse verarbeitet werden. Außerdem sind sie eine herrliche Gewürzbeigabe von herb-bitterer Note.
Haselnüsse wirken blutstillend, gefäßverengend, adstringierend und immunsystemstärkend. Das daraus gewonnene Öl ist auch zur Hautpflege anwendbar.
Ein Brei aus zerstampfen Nüssen kann äußerlich bei Augenleiden und eitrigen Wunden aufgelegt werden
Haselnüsse sind eine gesunde Gehirn- und Nervennahrung und können bei Gleichgewichtsstörungen Linderung verschaffen
Aus den Blüten (Kätzchen) im Frühjahr kann Tee gebrüht werden, der eine schweißtreibende Wirkung hat.
Die Blättern, die eine geringe Menge ätherisches Öl und Sitosterin enthalten, wurden früher für Wickel und Umschläge bei Venenerkrankungen und Blutungen verwendet.
Die Äste werden zur Korbflechterei und zur Herstellung von Werkzeugstielen verwendet. Als Gehölz im Eichenniederwald leistet die Hasel wertvollen Dienst, denn ihr starker Blattabfall führt dem Boden reichlich Humus zu und steigert so die Wachstumsrate auch anderer Gehölze
Haselnüsse sind sehr schnittverträglich, selbst nach radikalen, bodennahen Schnitten erreichen die Sträucher nach etlichen Jahren wieder ihre ursprüngliche Größe.
Wissenswertes:
Bereits in der frühen Mittelsteinzeit steuerte die Haselnuss einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Menschen bei. Die enorm schnelle Ausbreitung in diesem Zeitalter wird mit der Einwanderung des Menschen in Verbindung gebracht, der diese bewusst oder unbewusst durch die Anlage von Haselnussvorräten beschleunigte.
Heute gibt zahlreiche Sorten mit größen Früchten oder reicherem Ertrag zur gewerblichen Nutzung, die natürlich auch für den Hausgarten gut geeignet sind. Diese Sorten sind großteils aus Wildpopulationen durch Selektion hervorgegangen und können nur vegetativ vermehrt werden. Sind daher aber den Wildformen sehr nahe.
Hinweis zu medizinischen Inhalten und Wirkungsweisen:
Die hier vorgestellten Inhalte geben lediglich einen Überblick über die medizinische Nutzung. Sie stellen keine Empfehlung zur Anwendung dar. Bitte suchen Sie daher immer das Gespräch mit einem Arzt oder Apotheker.
Alle Angaben zu Verwendung, Kulinarik oder vermuteter Heilwirkung gelten ohne Gewähr. Die Angaben dazu haben lediglich informativen Charakter und sollen den Leser keinesfalls zur Selbstmedikation anregen, sondern einen Überblick über den momentanen Wissensstand geben.
Eine Haftung hinsichtlich der Verwendung ist ausgeschlossen.
Quellen: Enzyklopädie der Wildobst- und seltenen Obstarten (Helmut Pirc, Leopold Stocker Verlag)
Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen AT-Verlag
Der neue Kosmos Schmetterlingsführer, Heiko Hellmann
Wikipedia, naturadb





